Keanu Reeves hat noch eine offene Rechnung mit der Hölle. Mehr als 20 Jahre nach „Constantine“ nimmt die späte Fortsetzung wieder Form an.
Reeves bestätigte zuletzt, dass ein weiterer Drehbuchentwurf eingetroffen sei und nun dem Studio vorgelegt werden soll. Ein Starttermin steht zwar weiterhin nicht fest, doch für Fans des düsteren DC-Kultfilms ist schon diese Bewegung eine kleine Sensation.
Der Reiz liegt auf der Hand: Reeves ist seit „John Wick“ endgültig wieder eine Action-Ikone, aber John Constantine war schon 2005 eine seiner schrägsten, kaputtesten Figuren. Kein makelloser Superheld, kein Muskelmann im Cape, sondern ein kettenrauchender Exorzist im schwarzen Anzug, der Himmel und Hölle eher wie korrupte Behörden behandelt. Reeves verriet bereits, dass die Fortsetzung in derselben Welt wie der erste Film spielen soll – und dass Constantine noch stärker gequält werde. Klingt nach genau der Sorte Comeback, die nicht auf Nostalgie allein setzen darf.
Hinter dem Projekt stehen die alten Schlüsselspieler: Reeves soll zurückkehren, Francis Lawrence wieder Regie führen. Lawrence drehte mit „Constantine“ sein Kinodebüt, machte danach unter anderem „I Am Legend“, „Red Sparrow“ und mehrere „Tribute von Panem“-Filme. Für das Drehbuch ist Akiva Goldsman im Gespräch, der bereits beim ursprünglichen Sequel-Setup genannt wurde. Das ist keine beliebige Wiederbelebung aus dem Archiv, sondern ein Projekt, das offenkundig von den Leuten getrieben wird, die den Film damals geprägt haben.
Der erste „Constantine“ war 2005 kein makelloser Hit, aber genau daraus entstand sein Nachleben. Der Film spielte weltweit rund 231 Millionen Dollar ein, wurde damals gemischt aufgenommen und wuchs später zum Kulttitel heran – auch dank seiner Besetzung mit Rachel Weisz, Tilda Swinton, Djimon Hounsou, Shia LaBeouf und Peter Stormare als herrlich diabolischem Lucifer. Zum 20. Jubiläum bekam der Film eine neue 4K-Auswertung, was das Interesse an diesem finsteren Sonderling im Comicfilm-Kanon zusätzlich befeuert hat.
Spannend ist vor allem, was „Constantine 2“ offenbar nicht werden soll: kein glattgebügelter Superhelden-Blockbuster, kein Marvel-Gegenstück mit Dauerfeuer und Sprüchen im Minutentakt. Lawrence sprach davon, diesmal die R-Rated-Seite stärker zu umarmen – härter, unheimlicher, intensiver. Genau darin liegt das Potenzial: „Constantine“ funktioniert am besten, wenn er näher bei „Hellraiser“, „Blade“ und okkultem Noir liegt als bei sauber sortierter Franchise-Ware.
Darum geht’s in „Constantine 2“ – soweit die Hölle schon Auskunft gibt
Eine offizielle Handlung für „Constantine 2“ gibt es noch nicht. Sicher ist bisher nur die Richtung: Reeves’ John Constantine soll nicht neu erfunden, sondern weitergeführt werden. Die Vorlage liefert dafür genug Material. In den DC-Comics ist Constantine ein Magier, Trickser und Überlebenskünstler, dessen größte Waffe nicht Superkraft, sondern Wissen, Zynismus und extreme Gerissenheit ist. Sein erster Auftritt datiert auf „The Saga of the Swamp Thing“ #37 aus dem Jahr 1985.
Der erste Film zeigte Constantine als todgeweihten Dämonenjäger, der Angela Dodson bei der Untersuchung des mysteriösen Todes ihrer Zwillingsschwester hilft und dabei in eine Verschwörung zwischen Engeln, Dämonen und der Menschenwelt gerät. Für Teil 2 dürfte nun entscheidend sein, wie ein älterer Constantine mit einer Welt umgeht, in der die Hölle längst nicht mehr nur unter der Oberfläche brodelt. Die Frage ist: Kann jemand Erlösung finden, der gelernt hat, selbst dem Himmel nicht zu trauen?
Bis „Constantine 2“ wirklich in die Kinos kommt, bleibt Vorsicht angebracht. In der neuen DC-Ära unter James Gunn ist vieles in Bewegung, und ohne grünes Licht für Drehstart und Release bleibt das Projekt ein heißer Kandidat statt ein sicherer Termin. Aber falls Reeves, Lawrence und Goldsman den Ton treffen, könnte diese Rückkehr genau das werden, was dem Comicfilm gerade guttut: dreckig, mystisch, erwachsen – und angenehm weit weg von der nächsten austauschbaren Weltrettung.